Satelliten-Operating – Dein Einstieg in den Orbit

Von LEO bis QO-100: So bringst du deine Station auf das nächste Level.

Du bist lizenzierter Funkamateur, aber der Betrieb über Satelliten ist Neuland? Hier findest du die gebündelte Informationen der AMSAT-HB, um deine vorhandene Hardware für Dein Raumfahrtabenteuer zu optimieren. Wir lassen die Grundlagen der Wellenausbreitung hinter uns und steigen direkt in die Besonderheiten des Weltraumfunks ein.

Step 1: Faszination Satellitenfunk

Dein erster Schritt in die Welt des Amateurfunks im Orbit
Der Satellitenfunk ist einer der spannendsten Bereiche des Amateurfunks. Kaum ein anderes Teilgebiet verbindet Technik, Physik und Betriebspraxis so unmittelbar mit echter Raumfahrt. Wenn du das erste Mal das Signal eines Amateurfunksatelliten hörst – ein Rauschen, ein Beacon, ein APRS‑Ping oder sogar ein komplettes QSO – wird dir bewusst: Du kommunizierst gerade über ein Objekt, das mit mehreren Kilometern pro Sekunde über dich hinwegfliegt.

Amateurfunksatelliten sind keine Science‑Fiction. Sie sind seit 1961reale, auch von Funkamateuren gebaute und betriebene Raumfahrzeuge, die täglich über unsere Köpfe hinwegziehen. Manche sind einfache FM‑Repeater, andere komplexe Lineartransponder oder digitale Plattformen für Telemetrie, APRS oder wissenschaftliche Experimente. Und das Beste: Du kannst sofort einsteigen – mit erstaunlich wenig Ausrüstung.

Satellitenbetrieb eröffnet dir eine völlig neue Perspektive auf den Amateurfunk:

  • Du lernst, wie sich Funkwellen im freien Raum verhalten.
  • Du arbeitest mit präziser Technik, Tracking‑Software und orbitalen Daten.
  • Du erlebst Funkbetrieb, der nicht von lokalen Bedingungen abhängt.
  • Du wirst Teil einer weltweiten Community, die aktiv an der Zukunft des Amateurfunks im All mitbaut.

Ob du nur erste Signale empfangen möchtest oder langfristig eine vollautomatische Bodenstation planst – der Weg beginnt hier. Und er ist einfacher, als du denkst.

Step 2: Vom ersten Empfang zum eigenen QSO

Der Weg in den Satellitenfunk beginnt mit einem Aha-Erlebnis: Es braucht für den ersten Erfolg keine komplexe Technik. Es reicht ein Emfänger und eine einfache Antenne. Das kannst Du damit sicher schon hören:

  • NOAA-Wettersatelliten
  • Aussendungen der internationalen Raumstation ISS
  • Aussendungen von FM-Transpondern

Bereits im Step 2 kommst Du in Berühurung mit der besonderen Eigenschaft im Satellitenfunk: Die Signaleffekte

Step 3: Die Herausforderung von Doppler und weiteren Signaleffekten meistern

Im Gegensatz zum terrestrischen Funk bewegen sich unsere "Relais" im tiefen Erdorbit (LEO) mit ca. 28.000 km/h. Das erfordert Umdenken:

  • Frequenzmanagement: Doppler-Korrektur für Uplink und Downlink. >LINK<

  • Antennentechnik: Warum zirkulare Polarisation (RHCP/LHCP) den entscheidenden Unterschied macht. >LINK<
    Und es trotzdem auch mit rundstrahlenden Antennen funktioniert >LINK<

  • Full-Duplex: Warum du dich selbst im Downlink hören musst, um erfolgreich zu arbeiten und dabei die ersten beiden Punkten optimal mit berücksichtigst >LINK 1 und LINK2<

Diese drei Themen sind Dein vitales Interesse am Satellitenfunk. Ohne diese richtig zu verstehen, wirst Du am Ziel nicht ankommen. Nimm Dir genügend Zeit, mit den Effekten zu spielen. Es reicht schon, wenn Du die Stabantenne Deines Handfunkgeräts dem optimalen Signal ausrichtest. Du wirst erstaunt sein, wie unterschiedlich die Effekte sein können

Step 4: Dein erstes Satelliten QSO

Sobald du die ersten Satellitensignale sicher empfangen kannst, öffnet sich die nächste Tür: aktive Verbindungen über Amateurfunksatelliten.

FM-Satelliten - der ideale Startpunkt
FM‑Satelliten sind der klassische Einstieg in den aktiven Satellitenbetrieb. Sie funktionieren wie ein fliegender Repeater: Du sendest auf der Uplink‑Frequenz und hörst gleichzeitig auf der Downlink‑Frequenz.

Was du dabei lernst:

  • Vollduplex Betrieb: Senden und Empfangen auf unterschiedlichen Frequenzen

  • Doppler‑Korrektur: Frequenzanpassung in kleinen Schritten während des Passes

  • Handtracking: Die Antenne aktiv dem Satelliten nachführen

  • Kurze, präzise Durchgänge: Im Orbit zählt jede Sekunde

Wenn Du kein Vollduplexfähiges Funkgerät hast, kannst Du auch zwei Handfunkgeräte verwenden. Das hilft schon. Die Arrow-Antenne wie im Bild links ist perfekt. Man kann sie auch leicht nachbauen. Wie zum Beispiel die Version von DK7ZB >LINK<

Die Überflugsdaten kannst Du bei uns auf der Starseite von AMSAT-HB ermitteln. Derzeit (März 2026) bietet sich SO-50 als guter Satellit für Einsteiger an.

Die Frequenzen inkl. Dopplerkorrektur kannst Du Dir aus KE0PBR Cheat Sheet entnehmen.

Wie Du siehst, ist Dein Materialaufwand bisher noch relativ bescheiden. Mit den gewählten Hilfsmittel bist Du auch noch sehr manuell unterwegs. Ideal für das Lernen der Materie. Weiter so, Du bist auf gutem Weg!

Step 5: Upgrade für Lineare Transponder

Wenn du FM‑Satelliten sicher beherrschst, öffnet sich die Tür zu einem deutlich anspruchsvolleren, aber auch faszinierenderen Bereich des Satellitenbetriebs: lineare Transponder. Sie sind das Herzstück vieler moderner Amateurfunksatelliten und ermöglichen SSB‑ und CW‑Verbindungen über einen breiten Frequenzbereich. Hier beginnt der Betrieb, der technisch wirklich fordert – und gleichzeitig unglaublich befriedigend ist.

Warum lineare Transponder?
Lineare Transponder unterscheiden sich grundlegend von FM‑Satelliten:

  • Sie übertragen einen ganzen Frequenzbereich, nicht nur einen einzelnen Kanal.
  • Mehrere Stationen können gleichzeitig arbeiten, ohne sich gegenseitig zu blockieren.
  • Die Betriebskultur ist ruhiger, strukturierter und deutlich effizienter.
  • SSB und CW ermöglichen längere QSOs und feinere Signalbearbeitung.

Für viele Funkamateure ist dies der Moment, in dem Satellitenbetrieb „richtig“ beginnt.

Betriebstechnik: sauber, präzise, effizient
Der Betrieb über lineare Transponder folgt klaren Regeln:

  • Bake als Referenz nutzen – das eigene Signal soll nicht lauter als die Bake des Satelliten sein
  • Wissen über den Dopplereffekt kompetent einsetzen
  • Suche anhand des Cheat Sheet Dein eigenes manuell Signal. 

Diese Betriebsweise sorgt dafür, dass viele Stationen gleichzeitig arbeiten können – und der Erfolgsfaktor und Spass damit steigt.

Step 6: Equipment-Check: Was Du wirklich brauchst

Nicht jeder Satellit erfordert eine NASA-Bodenstation. Wir unterscheiden nach Komplexität:

  • FM- und Linear Satelliten (LEOs): Einstieg mit zwei Transceivern und Dualband-Yagi (Arrow/Alaskan) >LINK<
    Die Minimalstation ist der perfekte Einstieg, weil sie dir zeigt, wie wenig du brauchst, um echte Satellitenkontakte zu erleben.

  • Automatisierte Station für zu Hause: Allmode-Transceiver und automatisierte Nachführung >LINK<
    Wenn du regelmässig Satellitenbetrieb machst, wirst du schnell merken, dass Automatisierung vieles erleichtert. Die halbautomatische Station ist der logische nächste Schritt.

  • QO-100 (Geostationär): Der "Gamechanger". Einstieg in der Mikrowellentechnik >LINK<

(Siehe auch Beitragsliste am Schluss mit interessanten Lösungskonzepten zum Equipment)

 

Software & Automatisierung

Effizientes Operating funktioniert heute digital. Wir empfehlen und erklären:

  • Tracking: Unser Mutterschiff, die AMSAT, führt eine aktuelle Liste verschiedener Applikationen der unterschiedlichen Plattformen

  • SDR-Integration: Nutzung von SDR Console für die visuelle Bandbeobachtung auf QO-100.

Step 8: Operating Skills

"You're 59, what's your call?" sollte Dir nicht passieren. Schon gar nicht im Vollduplexbetrieb.

So führst du erfolgreiche QSOs über Amateurfunksatelliten
Der Satellitenbetrieb unterscheidet sich deutlich vom klassischen terrestrischen Amateurfunk. Die Zeitfenster sind kurz, die Signale dynamisch, und der Orbit verzeiht keine Verspätung. Pünktlichkeit ist hier eine Grundvoraussetzung.
Gute Operating‑Skills machen den Unterschied zwischen einem stressigen Versuch und einem sauberen, erfolgreichen QSO. Dieser Abschnitt vermittelt dir die Grundlagen, die jeder Satelliten‑Operator beherrschen sollte.

Passanalyse: Den richtigen Überflug erkennen
Bevor du überhaupt sendest, musst du wissen, wann ein Satellit erreichbar ist. Eine gute Passanalyse umfasst:

  • Startzeit und Endzeit des Passes
  • Azimuth des Aufgangs und des Untergangs des Satelliten
  • Azimuth des höchsten Punktes des Überflugs
  • maximale Elevation (je höher, desto besser)
  • Footprint: Welche Regionen sind gleichzeitig erreichbar
  • Dauer des Überflugs
  • Wo stehen Hinternisse (Bäume, Gebäude, Berge) im Signalweg

Mit diesem Wissen planst du deinen Betrieb effizient und vermeidest unnötige Versuche.

Hördisziplin: Erst zuhören, dann senden
Gerade bei FM‑Satelliten gilt:
Wer zuerst hört, arbeitet besser.

  • Prüfe, ob der Transponder aktiv ist. Sende beim Aufgang nicht, wenn Du nichts hörst. (Auch wenn Du nichts hörst, kann es umgekehrt sehr gut der Fall sein - und Du störst ein QSO)
  • Wenn Du nach 10 Minuten AOS nichts gehört hast, mach 1-2 kurze Sendeversuche. Es kann tatsächlich sein, dass Du der Einzige auf dem Satelliten bist.
  • Höre, welche Stationen bereits arbeiten
  • Rufe besser eine Station, welche bereits ein QSO geführt hat, als CQ (besonders bei FM Satelliten).
  • Vermeide Überlagerungen

Professionalität wird von der Community geschätzt.

QSO‑Technik: Kurz, klar, effizient
Im Orbit zählt jede Sekunde. Ein typisches Satelliten‑QSO ist kurz und präzise:

  • Rufzeichen
  • Standort (Locator)
  • Rapport
  • kurze Bestätigung

Beispiel:
“HB9XYZ, this is HB9ABC, JN36, 59, qsl?”

Mehr braucht es nicht. Lange Gespräche blockieren den Transponder und sind im Satellitenbetrieb unüblich.

Umgang mit Doppler & Frequenzführung

Wie Du in Ste 3 bereits gelernt hast, ist der Umgang mit dem Dopplereffekt einer der zentralen Operating-Techniken im Satellitenfunk. Es gibt kein Gesetz, welches Vorschreibt, welche Methodik im manuellen Betrieb angewendet werden muss. Gerade für Portabel Stationen korrigieren meistens die Frequenz des höheren Bands. Da unterschiedliche Methoden genutzt werden, ist es an der Tagesordnung, dass die Stationen leicht neben der Frequenz liegen. Gewöhn Dich daran - das gehört beim Satellitenfunk dazu.

Experten-Tipp der AMSAT-HB:

"Beginne mit den FM-Satelliten wie SO-50. Und zwar Portabel! Es schult das Gehör für die Signaleffekte und das manuelle Nachführen der Antenne, bevor du dich an die komplexen Linear-Transponder wagst."

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