Abenteuer Weltraum: So sprichst Du mit einem Astronauten im All
Dein direkter Draht in den Orbit
Hast du gewusst, dass die Internationale Raumstation ISS nur rund 400 Kilometer über deinem Kopf kreist? Das ist näher als die Strecke von Zürich nach Paris! Während die Welt unten zuschaut, kannst du bereits mitmischen.
In dieser Anleitung zeigen wir dir, wie du zur Bodenstation wirst. Das Abenteuer startet heute in deinem Zimmer mit dem Empfang der ersten Signale und führt dich bis zum eigenen Funkspruch an die Crew. Keine Sorge, du musst kein Raketenwissenschaftler sein – nur neugierig genug, um die Antenne auszufahren.
Bist du bereit für den Countdown? Packen wir es an!
Step 1: Der Lauschangriff – Wie du die ISS mit einfachsten Mitteln hören kannst
Du musst nicht warten, bis du ein Profi bist, um die ersten Signale aus dem Weltraum einzufangen. Das Abenteuer beginnt mit dem Zuhören. Das Beste daran: Du brauchst kein riesiges Budget und keine Bewilligung – nur ein bisschen Neugier.
Was du dafür brauchst: Einen SDR-Stick: Das ist ein kleiner USB-Empfänger (sieht aus wie ein alter USB-Stick), den du an deinen Laptop anschliesst. Er kostet etwa so viel wie drei Pizzen.Eine einfache Antenne: Oft wird eine kleine beim Stick mitgeliefert. (siehe zum Beispiel hier) Stell sie ans Fenster oder besser draussen auf den Balkon.
Kostenlose Software: Programme wie SDR Console SDR++ oder GQRX verwandeln deinen Bildschirm in ein visuelles Radio-Cockpit.
Dein Ziel: Wenn die ISS über die Schweiz fliegt, senden die Astronauten manchmal Bilder (SSTV) oder du hörst das Rauschen des Funkrelais. Such dir die Frequenz 145.800 MHz, 145.825 oder 437.800 MHz. Wenn du dort plötzlich ein seltsames Zwitschern oder eine Stimme hörst, hast du gerade eine Verbindung zu Menschen hergestellt, die mit 28'000 km/h über dich hinwegrasen!
Wenn Du es jetzt schon optimieren möchtest: Hier gibt es eine Bauanleitung einer Richtstrahlantenne, welche deutlich bessere Ergebnisse erzielt - und Du sie auch später beim Senden verwenden kannst.
Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn das erste Signal aus dem Nichts auftaucht. Du bist ab jetzt kein Zuschauer mehr, sondern ein aktiver Beobachter des Weltraums. Gratulation: Du hast Deine erste Groundstation in Betrieb genommen und den ersten Schritt zur Funkverbindung mit einem Astronauten im All vollbracht. Machen wir gleich weiter!
Step 2: Das Timing – Finde heraus, wann die Astronauten über dein Haus fliegen
Die ISS ist irrsinnig schnell unterwegs. Sie umrundet die Erde alle 90 Minuten. Das bedeutet, sie ist pro Überflug nur etwa 10 bis 15 Minuten lang für dich hörbar, bevor sie wieder hinter dem Horizont verschwindet. Timing ist also alles!
Deine digitalen Radar-Tools:
Du musst nicht raten. Es gibt geniale Webseiten und Apps, die dir auf die Sekunde genau sagen, wann die Station über die Schweiz flitzt: Schon auf der Webseite von AMSAT-HB siehst Du ein kleines Widget, welche Dir die aktuelle Position der Astronauten verrät. Oder eine andere Quelle sit auch Heavens-Above.com: Ein Klassiker. Gib deinen Wohnort ein und schau unter „ISS“.
ISS Detector (App): Super praktisch fürs Handy. Sie vibriert sogar, wenn die Station gleich auftaucht.
Orbitron: Für die PC-User unter euch, die es ganz genau wissen wollen.
Worauf du achten musst: Die Elevation (Höhenwinkel): Wenn die App sagt, die ISS erreicht eine Höhe von 80°, fliegt sie fast direkt über dich drüber – das ist die beste Chance für ein glasklares Signal! Alles unter 20° wird schwierig, weil dann Häuser oder die Alpen im Weg stehen könnten. Der Sichtkontakt: Nachts kannst du die ISS oft als hellen, schnellen Punkt am Himmel sehen. Wenn du sie siehst, kannst du sie garantiert auch hören! Dein Auftrag: Check die App, such dir den nächsten Überflug mit mehr als 40° Höhe aus und stell dir den Wecker. Das All wartet nicht!
Alles klar? Step 3 wartet auf Dich!
Step 3: Die Ausbildung – So knackst du die Prüfung und wirst Teil der Crew
Jetzt fragst du dich sicher: "Prüfung? Das klingt nach Schule." Keine Sorge! Der Weg zum Funker-Diplom ist in der Schweiz extrem spannend und praxisnah – besonders für Leute, die sich für Technik interessieren.
Der Weg zum Ziel:
Die Einsteiger-Lizenz (Novice): Das ist der ideale Startpunkt für Schüler und Studenten. Der Stoff ist gut machbar und konzentriert sich auf das Wesentliche, damit du möglichst schnell "on air" gehen kannst. Und ja, diese Lizenz befähigt Dich bereits mit Astronauten im All Kontakt aufzunehmen.
Kurse in deiner Nähe: In der ganzen Schweiz gibt es Vereine und Gruppen die Vorbereitungskurse anbieten. Dort triffst du Gleichgesinnte und Profis, die dir alles zeigen. Der Dachverband der Schweizer Funkamateure (USKA) hat dazu eine Liste bereit gestellt.
Selbststudium mit Apps: Es gibt super Lernplattformen und Apps (z. B. 50 Ohm oder HamExam), mit denen du die Prüfungsfragen wie beim Autoführerschein zwischendurch auf dem Handy büffeln kannst. WICHTIG: Diese sind jedoch nur zum Teil kompatibel mit den Schweizer Vorschriften.
Warum sich der Aufwand lohnt:
Die Lizenz ist nicht nur dein Ticket zur ISS. Sie ist ein international anerkanntes Zertifikat, das auch in deinem Lebenslauf (CV) richtig gut aussieht. Es zeigt, dass du technisches Verständnis hast und bereit bist, Verantwortung zu übernehmen. Und: Die Welt des Amateurfunks hat noch viel mehr zu bieten, als der Kontakt mit Astronauten im All.
Dein Fahrplan: Such dir einen Kurs oder lade dir eine Lern-App herunter. Wir von der AMSAT-HB unterstützen dich gerne dabei, den richtigen Anschluss zu finden!
Step 5: So spricht man mit einem Astronauten
Stell dir vor, du stehst am Pistenrand eines Flughafens und willst dem Piloten im Landeanflug etwas zurufen. Genau so ist es, wenn die ISS mit über 28'000 km/h über die Schweiz rast. Du hast nur ein winziges Zeitfenster von wenigen Minuten, und du bist nicht der Einzige, der "Hallo" sagen will.
Die Kunst der Kurzfassen
Damit die Astronauten dich aus dem Grundrauschen herausfischen können, gibt es kein "Ähm" und kein "Eigentlich". Wir nutzen ein System, das weltweit (und darüber hinaus) verstanden wird. Dein persöliches Rufzeichen ist dein digitaler Fingerabdruck: Du sagst nicht "Hoi, ich bin der Lukas aus Bern", sondern nutzt dein offizielles Rufzeichen, zum Beispiel: "Hotel-Bravo-Nine-Rome-Golf" (Anm. Das ist das Rufzeichen der AMSAT-HB).
Genau das wirst Du in der Ausbildung zum Funkamateur lernen. Da gehört auch das NATO-Alphabet dazu: Damit im Rauschen ein "B" nicht wie ein "P" klingt, buchstabieren wir konsequent. Alpha, Bravo, Charlie... das klingt am Anfang vielleicht wie eine Geheimsprache, ist aber dein Werkzeug für absolute Klarheit.
Ein typischer Kurz-Kontakt (ein so genanntes QSO) dauert oft nur Sekunden: Der Ruf hier als Beispiel: "NA1SS, hier ist HB9RG, Ich höre Euch mit 59 !" Die Bestätigung: Wenn du Glück hast, hörst du dein Rufzeichen aus dem All zurück. Der Gruss: "Vielen Dank, 73 (Beste Grüsse) und gute Reise! Und wenn der Astronaut Zeit hat, wird er Dich nach Deinem Alter, Wohnort oder Wetter fragen.
Warum Disziplin der Schlüssel ist:
Im Weltraumfunk ist weniger mehr. Wer sein Rufzeichen klar, ruhig und diszipliniert durchgibt, hat die grösste Chance, dass der Astronaut oben den Regler hochdreht und antwortet. Es ist wie ein präziser digitaler Handschlag im Orbit.
Trainingstipp: Übe dein (zukünftiges) Rufzeichen im NATO-Alphabet flüssig aufzusagen. Wenn du es im Schlaf beherrschst, hast du den Kopf frei für den Moment, in dem es zählt!
Und wenn es mal länger dauern soll:
Ja, es gibt sie, der etwas längere Austausch mit Astronauten im All. Dies geligt Dir vor allem wenn Du Dich fernab von der Zivilisation befindest und die Besatzung der ISS gerade mal Dich hören. Das ist der Sechser im Lotto!
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