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Moonbase: Die Kommunikation wird konkreter
Der Funkverkehr im Weltraum steht vor einem Wandel. Mit dem Ausbau der Mondaktivitäten will die NASA nicht mehr jede Mission als isolierte Verbindung betrachten. Stattdessen soll eine Infrastruktur entstehen, die zahlreiche Raumfahrzeuge und Nutzlasten gleichzeitig versorgen kann.
Das beschreibt die NASA in ihrem am 28. August 2026 veröffentlichten „Lunar Communications, PNT and Observability Industry Demand Signal“. Das Dokument definiert den Bedarf an Kommunikation, Positionierung, Navigation und Zeit sowie an Beobachtungssystemen für die kommenden Phasen des Moon Base Programms. Die NASA sieht dabei ausdrücklich kommerzielle Anbieter als Teil dieser Infrastruktur.
Vom Direktlink zum Relaisnetz
In der ersten Phase sollen Mondmissionen zunächst überwiegend über Direct-with-Earth (DWE) direkt mit Bodenstationen auf der Erde kommunizieren. Gleichzeitig soll eine Infrastruktur aus Relais entstehen. Diese soll mit zunehmender Zahl von Missionen eine grössere Verfügbarkeit, höhere Datenraten und mehrere gleichzeitige Verbindungen ermöglichen.
Die Entwicklung ist bemerkenswert. Für 2028 nennt die NASA als Ziel bereits 50 Mbit/s für den Rückkanal zwischen Mondnutzern und Relais. Bis 2034 soll dieser Wert auf 850 Mbit/s steigen; langfristig nennt das Dokument mehr als 1,25 Gbit/s als Ziel. Auch die Zahl der gleichzeitig unterstützten Nutzer soll deutlich wachsen.
Aus Sicht des Amateurfunks ist dabei vor allem ein Punkt interessant: Relais ausserhalb des Erdorbits werden zu einem zentralen Bestandteil der Kommunikationsarchitektur. Das Prinzip ist vertraut. Ein Signal wird nicht mehr zwingend direkt von der Bodenstation zum Raumfahrzeug geführt, sondern über eine weitere Station weitergeleitet.
Im Erdorbit ist dieses Konzept für Funkamateure längst Realität. Satellitenrelais, Digipeater und Transponder gehören zum praktischen Amateurfunk über Satellit. Die NASA beschreibt nun eine deutlich grössere und technisch anspruchsvollere Variante dieses Prinzips für den Raum zwischen Erde und Mond.
RF bleibt unverzichtbar
Trotz des zunehmenden Einsatzes optischer Kommunikation bleibt Funk ein wichtiger Bestandteil der geplanten Infrastruktur. Für die frühen Mondmissionen sieht die NASA Kommunikationsverbindungen im S-, X- und Ka-Band vor. Optische Terminals könnten später zusätzliche Kapazität für hohe Datenraten bereitstellen.
Gleichzeitig formuliert die NASA einen konkreten Bedarf an weltraumtauglichen RF-Transceivern, die breit verfügbar sein sollen. Auch bei den Bodenstationen sieht der Bericht einen wachsenden Bedarf an zusätzlichen Kommunikationskapazitäten.
Damit rückt eine für Funkamateure vertraute technische Disziplin in den Mittelpunkt: die Entwicklung von Funkgeräten, Antennen, Modulationsverfahren, Protokollen und Bodenstationen für den Betrieb über grosse Entfernungen.
Navigation wird zum Funksystem
Noch weiter geht der Ansatz bei Positionierung, Navigation und Zeit. Die NASA plant mit dem Lunar Augmented Navigation Service (LANS) ein System, das prinzipiell an ein satellitengestütztes Navigationssystem wie GNSS erinnert.
Mehrere Relais sollen kontinuierlich sogenannte Augmented Forward Signals (AFS) aussenden. Werden mindestens vier dieser Signale gleichzeitig empfangen, können daraus Position, Geschwindigkeit und Zeit bestimmt werden. Die NASA nennt für die spätere Phase eine Positionsgenauigkeit von bis zu 10 Metern auf der Mondoberfläche.
Auch die Zeitbasis wird dabei zum Bestandteil der Infrastruktur. LANS soll an eine koordinierte Mondzeit angebunden werden, während die Anforderungen an die zeitliche Genauigkeit bis auf 0,1 Mikrosekunden reichen.
Für Funkamateure ist das ein vertrautes Prinzip in einer völlig neuen Umgebung: Aus Funksignalen lassen sich nicht nur Nachrichten übertragen, sondern auch Laufzeit, Position und Zeit bestimmen.
Mehr als nur Kommunikation
Der NASA-Bericht beschränkt sich zudem nicht auf klassische Kommunikationsverbindungen. Für die Überwachung des Mondes fordert die NASA unter anderem passive RF-Erfassung und Ortung. Damit sollen beispielsweise Funkquellen erkannt und Bereiche der drahtlosen Versorgung überprüft werden. Die RF-Sensorik soll zudem zur Space Situational Awareness und damit zur sicheren Navigation beitragen.
Damit entsteht ein weiteres interessantes Feld: Funk wird nicht nur zum Übertragen von Daten eingesetzt, sondern selbst zum Sensor.
Ein Blick auf die nächsten Jahrzehnte
Die NASA teilt den geplanten Aufbau der Infrastruktur in drei Phasen ein: „Build, Test, Learn“ bis 2028, den Aufbau einer frühen Infrastruktur von 2029 bis 2032 und eine nachhaltige menschliche Präsenz ab 2033. Mit jeder Phase steigen die Anforderungen an Kommunikation, Navigation und Beobachtung.
Für den Amateurfunk bedeutet das zunächst keine direkte Einladung zur Teilnahme an einem Mondnetz. Der NASA-Bericht richtet sich an Industriepartner und beschreibt Anforderungen für zukünftige kommerzielle Dienstleistungen. Dennoch zeigt er, wohin sich die technische Umgebung entwickelt - und der Experimentalcharakter zu Beginn erinnert doch stark an unser Hobby Amateurfunk:
Relais im cislunaren Raum, Bodenstationen, Weltraumtaugliche Transceiver, Präzise Zeit- und Navigationssignale Neue Formen der Funkbeobachtung - Funkamateure müssten sich in diesem Projekt so richtig wohlfühlen.
Viele dieser Technologien beginnen mit denselben physikalischen Grundlagen, mit denen sich Funkamateure bereits heute beschäftigen. Der Unterschied liegt vor allem im hochprofessionellem Umfeld und Ausfallsicherheit.
Quellen:
NASA – Lunar Communications, PNT and Observability Industry Demand Signal - https://www.nasa.gov/wp-content/uploads/2026/08/scan-cislunar-industry-demand-signal.pdf
NASA – Communications and Navigation - https://www.nasa.gov/communicating-with-missions/