Ein Amateurfunkrufzeichen für SpaceX?
Der neuste Youtubebeitrag von Senkrechtstarter war wieder sehr interessant. Als Moritz jedoch eine FCC-Lizenz der SpaceX einblendete, zuckte ich kurz zusammen. Da steht doch tatsächlich das Call WA9XDN. NAtürlcih schaute ich zuerst bei QRZ.com nach. Jedoch Fehlanzeige. Eine Google Suche und Befragung der KI gab mir Klarheit:
Die US-amerikanische Kommunikationsbehörde FCC hat kürzlich eine Special Temporary Authority (STA) – also eine befristete Sondergenehmigung – für das experimentelle Rufzeichen WA9XDN erteilt. Antragsteller ist Space Exploration Holdings, LLC (kurz: SpaceX). Die Genehmigung gilt vom 7. April 2026 bis 6. Juni 2026 und ist somit nur für kurze Zeit gültig.Auf den ersten Blick wirkt WA9XDN wie ein klassisches US-Amateurfunkrufzeichen (mit „9“ für den Mittleren Westen und „X“ als experimentellem Kennbuchstaben). Tatsächlich hat es jedoch nichts mit dem Amateurfunkdienst zu tun. Es handelt sich um eine experimentelle Funklizenz der Klasse „MO“ (Mobile) im Experimental Service.Zweck der GenehmigungSpaceX möchte in den kommenden suborbitalen Starship-Super Heavy-Testflügen bis zu 10 experimentelle „Space Stations“ (also kleine, aktive Nutzlasten) auf Massensimulatoren (Dummy-Satelliten) starten. Diese Simulatoren – im Wesentlichen Nachbauten von Starlink-Satelliten – sollen folgendes testen:Den Payload-Deployment-Mechanismus von Starship (Aussetzmechanik für zukünftige Satellitenstarts)
Kurze Kommunikationsverbindungen mit dem bestehenden Starlink-Konstellation und SpaceX-Bodenstationen
Die Testnutzlasten erreichen Höhen von bis zu 350 km, senden und empfangen in den Ku-, Ka- und V-Bändern (u. a. 10,7–12,7 GHz, 14–14,5 GHz, 17,8–19,3 GHz, 19,7–20,2 GHz sowie 71–76 GHz), nutzen Modulationen bis 64-QAM und Leistungen von 1,1 W bis 37,15 W (mit hohen ERP-Werten durch gerichtete Antennen). Nach maximal 90 Minuten sollen die Simulatoren wieder in die Atmosphäre eintreten und vollständig verglühen.
Warum ein Rufzeichen?
In den USA erhalten auch experimentelle, nicht-kommerzielle oder temporäre Raumfahrt-Kommunikationssysteme oft ein experimentelles Rufzeichen im Format „W?9X??“, um die Funkverbindungen identifizieren und koordinieren zu können – ähnlich wie bei früheren Raketentests oder Ballonexperimenten. Es handelt sich also um eine rein regulatorische Massnahme der FCC, nicht um einen echten Amateurfunkbetrieb. Eine Suche bei QRZ.com hat jedoch ergeben, dass mit diesem Rufzeichenformat W*9X* ganze 83 Funkamateure registriert sind. Missverständnisse kann es daher durchaus geben.
Bedeutung für Starship-Entwicklung
Die Genehmigung deutet stark darauf hin, dass SpaceX für einen der nächsten Starship-Testflüge (vermutlich Flight 12 oder einen ähnlich frühen orbitalen/suborbitalen Test) ab Anfang April 2026 plant. Der Antrag wurde unter anderem von Jameson Dempsey (SpaceX Director of Satellite Policy) und dem externen Anwalt Paul Caritj eingereicht. Die offizielle FCC-Dokumentation ist öffentlich einsehbar.Für den klassischen Amateurfunk bleibt WA9XDN also tabu – es ist und bleibt ein reines SpaceX-Experiment unter temporärer FCC-Aufsicht.
Vielleicht fühlt sich die SpaceX einmal motiviert, einen eigenen Amateurfunksatelliten zu starten. Hoffen darf man bekanntlich immer..
Quelle:
FCC Lizenz der SpaceX - OET Special Temporary Authority Report
Youtubebeitrag Senkrechtstarter (bei ca. Minute 8) - https://youtu.be/WGiOEJGIbZM?si=A537C_3b6FSaIB9n