100'000 dann ist Schluss
Hier vorab die Zusammenfassung. Weiter unten dann mein Fazit:
In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der aktiven Satelliten im Erdorbit von rund 1'000 auf mehrere Tausend erhöht – und Prognosen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren bis zu 100'000 Satelliten in Betrieb sein könnten. Doch wie viele Satelliten kann die Erde tatsächlich sicher „verkraften“?
Experten wie Jonathan McDowell (Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics) und Hugh Lewis (University of Southampton) warnen schon länger vor einer Überfüllung des Orbits. Die Zahl der sogenannten „Conjunction Events“, bei denen sich zwei Satelliten oder ein Satellit und Weltraumschrott gefährlich nahekommen, steigt rapide: 2022 gab es bereits über vier Millionen solcher Warnungen, mehr als doppelt so viele wie noch 2020. Moderne Satelliten wie jene von Starlink führen bereits täglich zahlreiche Ausweichmanöver durch – Tendenz steigend.
Das Problem verschärft sich, weil neben den aktiven Satelliten auch immer mehr Weltraumschrott den Orbit bevölkert: Über 36'000 Objekte grösser als 10 cm, rund eine Million zwischen 1 und 10 cm und schätzungsweise 130 Millionen Fragmente kleiner als 1 cm. Vor allem in höheren Orbits, ab etwa 1'000 km Höhe, verbleiben defekte Satelliten und Trümmer oft Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende im All.
Wie viele Satelliten also noch sicher betrieben werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Bahnhöhe, Kollisionsvermeidungssysteme, Entsorgungsmassnahmen und internationale Koordination spielen eine Rolle. Während sich in niedrigen Umlaufbahnen durch den natürlichen Luftwiderstand alte Satelliten nach einigen Jahren selbst abbauen, fehlt dieser „Selbstreinigungsmechanismus“ in höheren Orbits fast vollständig.
McDowell schätzt, dass bei 20'000 bis 100'000 Satelliten die Belastungsgrenze erreicht wird – insbesondere am oberen Ende dieser Spanne wird der sichere Betrieb immer fraglicher. Ohne strengere internationale Regeln, technische Innovationen zur Beseitigung von Weltraumschrott und bessere Koordination könnten bestimmte Bereiche des Orbits in naher Zukunft zu gefährlichen Sperrzonen werden. Erste Ansätze für Regulierungen und Sanktionen bei verursachtem Weltraumschrott sind bereits in Diskussion.
Fazit:
Die Kapazität des Erdorbits ist nicht unbegrenzt, auch wenn es gemäss den wöchentlichen mehrfachen Raketenstarts den Anschein macht. Ohne wirksame Gegenmassnahmen und internationale Zusammenarbeit droht die Gefahr, dass das All für künftige Satellitenprojekte – auch für den Amateurfunk – zunehmend unberechenbar und gefährlich wird. Auch für die bemannte Raumfahrt wird das Risiko immer grösser. Die ESA arbeitet seit Jahren mit Universitäten, Hochschulen und Start-Ups an einer nachhaltigen Lösung. Darunter auch das schweizer Start-Up Clearspace, welches als Missionziel den ausgedienten ESA Satelliten PROBA-1 aus dem Orbit befördern soll.
Der Ausführliche Bericht mit weiteren Details und illustration ist auf der Webseite von N2YO.com zu finden.
Quelle:
N2YO.com - https://www.n2yo.com/satellite-article/How-many-satellites-can-we-safely-fit-in-Earth-orbit/86
Blick Artikel zu Clear Space - https://www.blick.ch/life/wissen/ganz-automatisch-schweizer-start-up-will-weltraum-von-schrott-befreien-id20535583.html